CX-Designtheorie im WiSe 2019/20

Weniger ist mehr ist exzessiv ist genug

Kritik und Neuverhandlung von Exzess in Design und Architektur

(auch Freie Kunst FK-T2, Kunstpädagogik Modul B.06.09)
Karianne Fogelberg, M. A.
Raum: E.ZG.04, Akademiestr. 4
Zeit: Dienstag 12.00–14.00 Uhr, Beginn: 22.10.2019, weitere Termine (wöchentlich) 29.10.,
05.11., 12.11., 19.11., 26.11., 03.12., 10.12., 17.12.2019, 07.01.2020, 14.01., 21.01.
Kontakt: fogelberg@adbk.mhn.de
Die Exzesse der Gegenwart in Form von Überproduktion, der Erschöpfung von Ressourcen
und Existenzweisen, aber auch der Überforderung des Einzelnen und der Gemeinschaft
widerlegen die Rhetorik vom rechten Maß als Synonym „guter Gestaltung“ auf nicht zu
leugnende Weise. Exzess ist das Schreckgespenst einer Moderne, die jede Ausschweifung
als Verlust gestalterischer Kontrolle und Ausverkauf gegenüber niederen Mächten und
widrigen Umständen wie dem schlechten Geschmack oder unvorhergesehener Nutzung
fürchtet, und die gerade deswegen stets Gegenbewegungen inspiriert hat. Gleichzeitig sind
Design und Architektur in dem auf Wachstum angelegten Kapitalismus und seinen
Mechanismen wie der Erzeugung stets neuer Begehren tief verstrickt. Als gestaltende
Disziplinen tragen sie dazu bei, massenweise Dinge, Daten und Optionen hervorzubringen
und selbst so wesentliche Entitäten wie Wasser und Luft, Affekte und Gesten zu
kommodifizieren.

KF_cxDesigntheorie_WiSe201920

Keiichi Matsuda, Hyper-Reality, Filmstil, 2016, aufgenommen in HD, produziert in Medellín,
Kolumbien, von Corporación Fractal, http://hyper-reality.co/, min 3:27, Geamtlänge 06:15 min

 

Es scheint, als begleite die gegenwärtigen Exzesse ein Mangel an Vorstellungskraft.
Inwieweit können Design und Architektur diese „Krise der Imagination“ (Naomi Klein)
aufbrechen und Alternativen aufzeigen, von konkreten Lösungsansätzen bis hin zu
spekulativen Narrativen? Ist es nicht die Essenz von Gestaltung, mit dem Vorhandenen zu
arbeiten und Mangel nicht als Einschränkung zu begreifen, sondern als „Inspiration und
Kontext für konstruktives und transformierendes Handeln“ (Jeremy Till)?
Wir analysieren im Seminar das ambivalente Verhältnis zwischen Gestaltung und Exzess
und untersuchen, welche möglichen Strategien zeitgenössische Positionen aus den
Wissenschaften, aus Design und Architektur gegenüber verschiedenen Manifestationen von
Exzess vorschlagen und anwenden. Hierzu zählen Ansätze, die den Überfluss als
gestalterische Herausforderung adressieren, spekulative Projekte, die im Exzessiven
Potentiale für eine Verweigerung gegenüber den dominanten Verwertungsstrategien sehen,
oder Positionen, die mögliche Auswege aus den Wachstumsexzessen suchen und nach
deren Grenzen fragen, wie De-Growth-Ansätze, einer auf Suffizienz basierenden Ökonomie
des Genug, oder einer Rückkehr zur Allmende.
Gelesen und diskutiert werden Arbeiten von u.a. Zygmunt Bauman, Heather M. Davis, Arturo
Escobar, Silvia Federici, Amy Franceschini, Julia Lohmann, Sharon Macdonald, Ezio
Manzini, Jason W. Moore, Daniel Fernández Pascual & Alon Schwabe (Cooking Sections),
Gerda Reith, Jeremy Till, De Urbanisten, Sarah Wigglesworth Architects.

 

Das Seminar steht allen Studierenden der Akademie offen. Parallel dazu finden gesonderte
Termine für Studierende der Innenarchitektur in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Entwurf
und Darstellung (Prof. Katja Knaus, Georg Brennecke) statt. Diese Termine werden
rechtzeitig angekündigt.

 

Für alle weiteren Lehrveranstaltungen zum achten Jahresthema des cx centrum für
interdisziplinäre studien „Exzess“ sowie alle Termine der gleichnamigen
internationalen Vortragsreihe im WiSe 2019/20 siehe cx-Aushang.